Skalare züchten: Paare, Gelege und Jungfische
Skalare finden sich zu Paaren zusammen und laichen bereitwillig ab — und fressen dann ihre ersten Gelege. Warum das geschieht, wann man abwarten sollte und wie die Aufzucht gelingt.

Skalare züchten
Skalare zum Ablaichen zu bringen, ist einfach — ein harmonisierendes Paar in warmem, sauberem Wasser laicht alle zwei bis drei Wochen ganz ohne Zutun ab. Jungfische daraus großzuziehen, erfordert dagegen Übung, und der Grund dafür sind fast immer die Elterntiere selbst.
Ein Paar finden
Ein Skalarpaar wählt man nicht selbst aus — sie wählen sich gegenseitig. Die Geschlechtsbestimmung außerhalb der Laichphase ist unzuverlässig, und wer behauptet, Jungtiere sicher nach Geschlecht bestimmen zu können, rät ins Blaue.
Der bewährte Weg ist, sechs Jungtiere zu kaufen und gemeinsam aufzuziehen, sodass sich nach sechs bis zwölf Monaten ganz natürlich ein Paar bildet. Das funktioniert verlässlich, hat aber die territorialen Folgen, die unter Aggression und Paarbildung beschrieben sind — halte also einen Plan für die anderen vier Tiere bereit.
Beim Ablaichen zeigen sich die Geschlechter für kurze Zeit eindeutig. Die Genitalpapille (Laichpapille) tritt zwischen den Bauchflossen hervor: breit und stumpf beim Weibchen, schmaler und spitz zulaufend beim Männchen. Das ist der einzige wirklich verlässliche Moment zur Geschlechtsunterscheidung.
Bedingungen
- Temperatur 27–28 °C. Das obere Ende des Normalbereichs regt die Laichbereitschaft an.
- Weiches, leicht saures Wasser — GH unter 6, pH um 6,5. Das ist für die Zucht weitaus wichtiger als für die reine Haltung. In hartem, alkalischem Wasser verpilzen Eier oft unbefruchtet. Wenn ein Paar wiederholt laicht und die Eier jedes Mal weiß werden, ist das Wasser meist zu hart.
- Ein vertikales Laichsubstrat. Skalare sind Offenbrüter, die senkrechte Flächen bevorzugen: ein breites Blatt einer Amazonasschwertpflanze, eine an die Scheibe gelehnte Schieferplatte, ein Stück PVC-Rohr oder ein spezieller Laichkegel. Biete gezielt eine solche Fläche an, sonst weichen sie auf den Heizstab oder das Filteransaugrohr aus.
- Sauberes Wasser. 25–30 % Wasserwechsel wöchentlich. Ein größerer Wasserwechsel ist oft schon der auslösende Reiz zum Ablaichen.
- Konditionierung mit Lebend- und Frostfutter — Rote Mückenlarven, Artemia, Daphnien.
Das Ablaichen
Das Paar putzt die gewählte Fläche ein bis zwei Tage vorher intensiv — das deutlichste Zeichen dafür, dass das Ablaichen unmittelbar bevorsteht.
Das Weibchen zieht in mehreren Durchgängen Ei-Reihen an der Fläche hoch; das Männchen folgt direkt dahinter und befruchtet sie. Ein Gelege umfasst üblicherweise 200–500 Eier, bei großen Weibchen manchmal noch mehr.
Anschließend bewachen und befächeln beide Elterntiere das Gelege ununterbrochen und werden extrem aggressiv gegenüber allen anderen Beckenbewohnern. In einem Gesellschaftsbecken ist das der Moment, in dem Beifische verletzt werden.
Die Eier schlüpfen bei 28 °C nach 48–60 Stunden. Die Larven bleiben über einen Schleimfaden noch drei bis fünf Tage an der Oberfläche haften, zehren von ihrem Dottersack und werden von den Eltern wiederholt auf neu geputzte Flächen umgebettet. Etwa am fünften bis siebten Tag schwimmen sie frei, und die Elterntiere führen sie als dichte Wolke durch das Becken.
Warum sie die Eier fressen
Fast jedes junge Paar frisst seine ersten Gelege komplett auf. Das ist normal und kein Zeichen dafür, dass mit den Tieren etwas nicht stimmt.
Typische Ursachen:
- Unerfahrenheit. Junge Paare brauchen oft drei, vier oder fünf Anläufe, bevor ihnen die Brutpflege gelingt. Professionelle Züchter kalkulieren das fest ein.
- Störungen. Hektik vor dem Becken, plötzlich eingeschaltete Beleuchtung, Taschenlampen oder Hantieren im Wasser.
- Beifische. Ein Paar, das unter ständigem Druck anderer Fische steht, frisst das Gelege oft lieber selbst auf, anstatt es an Räuber zu verlieren.
- Verpilzende, unbefruchtete Eier. Die Eltern entfernen abgestorbene, weiße Eier — was biologisch völlig richtig ist —, fressen dabei aber manchmal versehentlich gesunde Eier mit.
Gib einem Paar drei bis vier Versuche, bevor du eingreifst. Viele Paare spielen sich ein und werden zu hervorragenden Eltern — und von den Eltern geführte Jungfische sind der deutlich weniger arbeitsintensive Weg.
Künstliche Aufzucht
Wenn ein Paar Gelege immer wieder verlässlich auffrisst, nimmst du das Laichsubstrat heraus.
- Überführe das Laichsubstrat in ein separates, karges Zuchtbecken mit Wasser aus dem Elternbecken bei gleicher Temperatur.
- Platziere einen Ausströmerstein so, dass eine sanfte Wasserströmung über die Eier gleitet und das Befächeln durch die Eltern ersetzt.
- Gib Methylenblau oder ein passendes Antimykotikum ins Wasser, um ein Übergreifen von Pilzen auf gesunde Eier zu verhindern.
- Entferne weiße Eier vorsichtig, sobald sie sichtbar werden. Befruchtete Eier sind bernsteinfarben und durchscheinend; weiße Eier sind abgestorben und verpilzen rasch.
Schlupf und weitere Entwicklung folgen demselben Zeitplan wie bei der Naturbrut.
Aufzucht der Jungfische
Skalar-Jungfische sind winzig und benötigen das richtige Erstfutter.
| Stadium | Futter |
|---|---|
| Tage 0–5 (Larven) | Nichts — Dottersackzehrung |
| Freischwimmend, erste 2 Wochen | Frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien, 3–4-mal täglich |
| Wochen 2–4 | Artemia-Nauplien plus Mikrowürmer, feinst zerriebenes Flockenfutter |
| Ab Woche 4 | Zerriebenes Flockenfutter, Staubfutter, Granulat, feine Frost-Daphnien |
Frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien sind in den ersten zwei Wochen praktisch unverzichtbar — setze den Brutansatz an, sobald die Eier gelegt sind, nicht erst, wenn die Larven freischwimmen. Skalarlarven wachsen mit Artemia schnell und kräftig heran, mit Ersatzfutter dagegen oft kümmerlich.
Wasserqualität entscheidet über das Wachstum. Tägliche oder zweitägige kleine Wasserwechsel im Zuchtbecken und reichliche Fütterung sind Pflicht. Jungfische reagieren empfindlich auf Nitrat. Kümmerwuchs führt dazu, dass sich die Flossen nie voll ausbilden — derselbe Mechanismus wie unter Wasserwerte und Temperatur beschrieben.
Sortiere die Jungfische nach Größe, während sie wachsen. Skalar-Nachwuchs wächst sehr ungleichmäßig; größere Tiere verdrängen die kleineren bei der Fütterung und fressen sie gelegentlich sogar auf.
Nach sechs bis acht Wochen sind sie bereits als kleine Skalare erkennbar und erreichen mit rund 2,5 cm Körpergröße nach etwa drei Monaten Abgabegröße.
Vor dem Start
- Kaufe sechs Jungtiere; versuche nicht, gezielt ein vermeintliches Paar im Laden zu kaufen.
- Biete von Beginn an ein vertikales Laichsubstrat an.
- Senke die Wasserhärte, falls Gelege wiederholt weiß werden und absterben.
- Rechne damit, dass die ersten drei bis vier Gelege gefressen werden.
- Starte die Artemia-Zucht direkt nach der Eiablage.
- Sorge rechtzeitig für Abnehmer für mehrere Hundert Jungfische.










