Hillstream-Schmerle: Sewellia lineolata
Die Hillstream-Schmerle (Sewellia lineolata), auch Butterfly Loach oder Reticulated Hillstream Loach genannt, ist ein faszinierender, stachelrochen- förmiger Fisch für torrentielle Strömungen.

Die Hillstream-Schmerle (Sewellia lineolata), umgangssprachlich oft „Alien Pleco“ oder „Butterfly Loach“ genannt, ist eines der beeindruckendsten Beispiele natürlicher Konstruktion in der Süßwasserwelt. Sie hat einen spezialisierten, abgeflachten Körper, bei dem Brust- und Bauchflossen zu einem durchgehenden, kreisförmigen Sauger evolviert sind. So erzeugt der Fisch starke Saugwirkung und haftet sicher an glatten Felsen selbst in den heftigsten, schnell fließenden Bergbächen, in denen andere Fische weggespült würden.
Im Aquarium werden sie wegen ihrer einzigartigen stachelrochenartigen Gleitbewegung und des feinen, netzartigen Musters in dunklem Gold und Braun geschätzt. Ihre Schönheit geht aber mit strengen Anforderungen an ein energiereiches, spezialisiertes Umfeld einher, das ihre Heimat in den Stromschnellen nachbildet.
Natürlicher Lebensraum & Herkunft
Sewellia lineolata stammt aus schnellen, hochgelegenen Bergbächen in Zentralvietnam. Sie lebt in klaren, flachen Stromschnellen und Wasserfällen mit hoher Geschwindigkeit, kühlem Wasser und extrem hoher Sauerstoffversorgung. Diese Habitate haben felsige Böden mit wenig Feinsediment, wo die Sonne dichten Aufwuchs (Mischung aus Algen und Mikroorganismen) auf den Steinoberflächen fördert.
Haltungsanforderungen
Die Hillstream-Schmerle ist kein Fisch fürs Standard-Gemeinschaftsbecken mit schwacher Strömung. Die kritischste Voraussetzung sind extrem hohe Wasserströmung und Belüftung. Am besten mit leistungsstarken Innenfiltern, Strömungspumpen oder einem „Fluss-Verteiler“-System für gerichtete Strömung. Das Wasser sollte relativ kühl bleiben, ideal 20 °C bis 24 °C.
Das Setup sollte viele glatte, abgerundete Flusssteine und Kiesel haben – Kletterflächen und Substrat für die natürliche Nahrungsquelle. Robuste Pflanzen (wie Anubias oder Javafarn) sind willkommen; hohes Licht fördert natürliches Algenwachstum. Eine sichere Abdeckung ist empfehlenswert – sie können am Glas nahe der Wasseroberfläche „klettern“.
Ernährung & Fütterung
Die Hillstream-Schmerle ist ein spezialisierter Weider. In der Wildnis frisst sie fast ausschließlich Aufwuchs – den Biofilm aus Algen und Mikroorganismen auf Felsen.
In Gefangenschaft solltest du anbieten:
- Hochwertige Algenwaffeln und Sinktabletten
- Repashy „Soilent Green“ oder ähnliche Gel-Nahrung
- Sparsame Ergänzung mit gefrorenen Blutwürmern oder Cyclops
- Steine, die in einem separaten hellen Eimer vorbegrünt wurden
Wichtig: Sie sind keine Aasfresser und verhungern schnell in sterilen, „fleckenfreien“ Becken. Langfristig brauchen sie stetigen Biofilm.
Verhalten & Temperament
Sie sind friedlich, aber leicht territorial gegen Artgenossen. Wenn zwei Männchen aufeinandertreffen, kann „Topping“ auftreten – ein harmloses Gleiten übereinander zur Dominanz über einen guten Weideplatz. Sie sind sehr gesellig und am besten in einer Gruppe von 3–5 oder mehr. Den ganzen Tag „huschen“ sie über Fels und Glas und verlassen selten die offene Wassersäule.
Mitbewohner
Geeignete Mitbewohner müssen hohe Strömung und kühles Wasser vertragen und mögen:
- Weiße Wolkenberge
- Zebradanios und andere aktive Danios
- Rosen-Schmerlen
- Rhinogobius (Süßwassergrundeln)
- Odessa-Barben
Meide langsame, langflossige Fische wie Bettas oder Pracht-Goldfische – die starke Strömung der Schmerlen ist für sie ungeeignet.
Zucht
Sewellia lineolata kann im Heimaquarium gezüchtet werden, wenn die speziellen Bedürfnisse erfüllt sind. Sie sind saisonale Laicher; bei der Balz folgt das Männchen dem Weibchen dicht über die Steine. Eier werden oft in Spalten zwischen Flusssteinen verstreut. Die Larven sind extrem klein und verstecken sich im Substrat, weiden Biofilm ab, bis sie groß genug zum Auftauchen sind. Ein reifes, stabiles Becken mit etabliertem Biofilm ist für das Überleben der Larven essenziell.
Häufige Gesundheitsprobleme
Sie reagieren empfindlich auf schlechte Wasserqualität und chemische Medikamente. Wegen schnellem Stoffwechsel und spezialisierter Ernährung ist Verhungern die häufigste Todesursache bei frisch eingesetzten Tieren. Stelle sicher, dass das Becken gut eingefahren ist und sichtbaren Biofilm hat, bevor du sie einsetzt. Sie sind auch sehr empfindlich gegenüber hohen Nitratwerten und niedriger Sauerstoffversorgung; haften sie am Glas nahe der Wasseroberfläche, fehlt oft Sauerstoff.


















