Antennenwelse züchten: Höhlen, Eier und Jungfische
Antennenwelse gehören zu den am leichtesten zu vermehrenden Welsen und laichen oft ganz von allein. Geschlechtsbestimmung an den Tentakeln, Höhlenanforderungen und warum das Männchen die ganze Arbeit macht.

Antennenwelse züchten
Antennenwelse gehören zu den am einfachsten nachzuzüchtenden eierlegenden Fischen in der Aquaristik. Viele Halter entdecken das erst, wenn plötzlich Jungfische in einem Becken auftauchen, in dem gar keine Zucht geplant war. Gib ihnen eine Höhle, gutes Futter und ein eingefahrenes Becken, und sie legen meist von ganz allein los.
Das Männchen übernimmt nach dem Ablaichen die komplette Brutpflege. Das macht dieses Projekt ungewöhnlich unkompliziert – und faszinierend zu beobachten.
Geschlechtsbestimmung: die Tentakel
Die Geschlechtsbestimmung ist eine der einfachsten im gesamten Hobby, sobald die Tiere mit etwa 12 Monaten geschlechtsreif sind.
Männchen entwickeln lange, verzweigte, fleischige Tentakel (Odontoden) über die gesamte Schnauze und Stirn. Bei einem ausgewachsenen Männchen sind sie unverwechselbar – ein dichtes Geweih, das die gesamte Vorderseite des Kopfes bedeckt.
Weibchen haben entweder gar keine oder nur eine spärliche Reihe deutlich kürzerer Borsten entlang des Schnauzenrandes, niemals quer über das Gesicht.
Männchen sind außerdem etwas größer, haben einen flacheren Kopf und sind im Kopfbereich breiter gebaut. Weibchen zeigen bei guter Fütterung einen deutlich rundlicheren Körperumfang (Laichansatz).
Unter etwa 8 cm Körperlänge ist diese Methode unzuverlässig: Jungtiere beider Geschlechter zeigen kleine Erhebungen an der Schnauze, und bei Männchen sind die Tentakel noch nicht voll ausgebildet. Der bewährte Weg zu einem Zuchtpaar besteht darin, sechs Jungtiere zu kaufen und abzuwarten, bis sich Paare finden.
Die Höhle ist die halbe Miete
Antennenwelse sind Höhlenbrüter und pflanzen sich ohne eine passende Höhle nicht fort.
Die Beschaffenheit der Höhle ist wichtiger, als viele vermuten:
- Nur ein einziger Eingang, am hinteren Ende geschlossen.
- Gerade breit genug, dass das Männchen hineinschlüpfen und sich umdrehen kann – eng anliegend, keinesfalls geräumig. Etwa 4–5 cm Innendurchmesser für ein ausgewachsenes Tier.
- Dunkel und in einem abgeschatteten Bereich des Beckens platziert.
- Waagerecht flach auf dem Bodengrund liegend.
Speziell gefertigte Ton- oder Keramikhöhlen für Welse sind ideal. Ein kurzes Stück PVC-Rohr mit einer Endkappe funktioniert genauso gut. Ein auf die Seite gelegter Ton-Blumentopf reicht im Notfall aus, aber durch die weite Öffnung fühlen sich Männchen oft nicht sicher genug.
Biete mehr Höhlen als Männchen an – zwei bis drei Höhlen pro Männchen –, damit das Männchen wählen kann und ein zweites Männchen einen unbestrittenen Rückzugsort findet.
Einen Laichvorgang auslösen
Oft braucht es außer guten Haltungsbedingungen überhaupt keinen Anstoß. Wenn doch ein Impuls nötig ist, wirkt ein kühlerer Wasserwechsel am zuverlässigsten: Führe einen Wasserwechsel von 30–50 % mit Wasser durch, das zwei bis drei Grad kühler ist als das Beckenwasser. Das simuliert den Beginn der Regenzeit in der Natur. Mache das am besten in den Abendstunden.
Konditioniere beide Fische vorher zwei bis drei Wochen lang mit reichhaltigerem Futter als gewöhnlich – reichlich Gemüse plus etwas mehr Protein als bei der Standardfütterung, die unter Ernährung und Wurzelholz beschrieben ist. Vor allem das Weibchen benötigt diese Nährstoffe, um Laich anzusetzen.
Eine insgesamt leicht abgesenkte Temperatur um 23–24 °C wirkt oft fördernd.
Das Männchen besetzt und säubert eine Höhle und imponiert dann am Eingang, um ein Weibchen anzulocken. Sie schwimmt hinein, legt die Eier ab und verlässt die Höhle wieder. Damit ist ihr Anteil an der Brutpflege bereits erledigt.
Eier und die Aufgabe des Männchens
Das Weibchen legt eine kompakte Traube aus 20–200 leuchtend orangefarbenen Eiern an die Höhlendecke und zieht sich zurück.
Alles Weitere übernimmt das Männchen:
- Er bewacht die Höhle und vertreibt jeden Eindringling, der sich nähert.
- Er befächelt die Eier ununterbrochen mit seinen Flossen, um sie mit Sauerstoff zu versorgen und vor Verpilzung zu schützen.
- Er stellt das Fressen ein, oft während der gesamten Brutzeit, und verliert dabei spürbar an Körpermasse.
Störe ihn nicht. Bewege die Höhle nicht, leuchte nicht ständig mit einer Taschenlampe hinein und nimm auf keinen Fall die Eier heraus. Ein gestresstes Männchen frisst das Gelege auf – das ist mit Abstand die häufigste Ursache für missglückte erste Zuchtversuche.
Die Eier schlüpfen je nach Wassertemperatur in 4–10 Tagen. Die Larven bleiben weitere 3–5 Tage mit ihrem Dottersack in der Höhle, während das Männchen sie weiterhin bewacht. Erst wenn die Jungfische die Höhle verlassen und sich verteilen, beginnt er wieder normal zu fressen.
Jungfische aufziehen
Die Aufzucht ist erfreulich unkompliziert – keine Infusorien, keine Lebendfutterkulturen erforderlich.
Antennenwels-Jungfische beginnen fast sofort nach dem Verlassen der Höhle, Oberflächen abzuraspeln, und fressen dasselbe wie die Alttiere, nur feiner zerkleinert:
- Blanchierte Zucchini ab dem Moment, in dem sie aus der Höhle kommen. Das ist das beste Aufzuchtfutter für diese Art.
- Zerriebene Algentabletten und Spirulinapulver.
- Wurzelholz, das sie vom ersten Tag an abweiden.
- Gelegentlich etwas feines Proteinfutter, sobald sie ein paar Wochen alt sind.
Füttere täglich und achte auf sauberes Wasser mit regelmäßigen kleinen Wasserwechseln. Jungfische reagieren empfindlicher auf Nitrat als adulte Tiere.
In einem friedlichen, gut bepflanzten Becken können sie bei den Eltern bleiben; die Alttiere stellen ihnen nicht nach, und die größte Gefahr geht von anderen Beifischen aus. In einem Gesellschaftsbecken steigen die Überlebenschancen erheblich, wenn man die Höhle samt Jungfischen nach dem Schlupf in ein separates Aufzuchtbecken umsetzt.
Das Wachstum verläuft stetig, aber nicht übermäßig schnell: ca. 2,5 cm nach zwei Monaten, 5 cm nach vier bis fünf Monaten, geschlechtsreif nach acht bis zwölf Monaten.
Wohin mit dem Nachwuchs
Ein einzelnes Gelege kann über 100 Jungfische hervorbringen, und ein eingespieltes Paar laicht alle vier bis acht Wochen. Da kommen schnell enorme Stückzahlen zusammen.
Kläre Abnehmer, bevor du ein zweites Gelege förderst. Antennenwelse gehören zu den wenigen Fischen, die der Zoohandel meist gerne abnimmt, und auch unter Aquarianern gibt es immer Nachfrage – insbesondere nach Flossen- und Farbvarianten, die deutlich gefragter sind als die braune Wildform.
Wenn du keinen weiteren Nachwuchs möchtest, nimm die Höhlen aus dem Becken. Ohne Höhle laichen sie nicht ab.
Bevor du anfängst
- Kaufe sechs Jungtiere, statt zu versuchen, kleine Fische nach Geschlecht zu sortieren.
- Warte, bis die Tentakel voll ausgebildet sind – etwa mit 12 Monaten –, bevor du mit Nachwuchs rechnest.
- Biete zwei bis drei passende Höhlen pro Männchen an.
- Konditioniere beide Fische vorher zwei bis drei Wochen lang mit nahrhaftem Futter.
- Löse das Ablaichen mit einem kühleren Wasserwechsel am Abend aus.
- Lass das Männchen völlig in Ruhe, sobald Eier gelegt wurden.
- Sorge rechtzeitig für Abnehmer für bis zu 100 Jungfische.










