Ernährung beim Antennenwels: Warum Wurzelholz unverzichtbar ist
Antennenwelse brauchen Holz für die Verdauung und verhungern in einem sauberen Becken. Richtig füttern, warum Algen nicht reichen und welches Holz geeignet ist.

Ernährung beim Antennenwels und Wurzelholz
Antennenwelse werden im Handel oft als „Putzerfische" verkauft. Die daraus abgeleitete Annahme, dass sie ausschließlich von Algen im Becken leben können, führt bei unzähligen Tieren zu einem schleichenden Verhungern.
Ein ausgewachsener Antennenwels findet in einem gepflegten Aquarium kaum verwertbare Nahrung. Der Algenaufwuchs ist nach wenigen Wochen abgeweidet. Da der Wels nachtaktiv ist, bemerkt kaum jemand, dass er nichts zu fressen bekommt – und so baut das Tier über Monate ab, während es auf den ersten Blick gesund wirkt.
Außerdem brauchen Antennenwelse zwingend Holz – das ist keine Vorliebe, sondern eine biologische Notwendigkeit.
Warum Wurzelholz lebenswichtig ist
Ancistrus-Arten sind xylivor veranlagt – sie raspeln an Totholz. In ihren natürlichen Gewässern weiden sie untergetauchte Baumstämme ab, und ihr Verdauungstrakt ist genau darauf abgestimmt.
Dabei spielen zwei Faktoren zusammen: Das Holz liefert Zellulose und Lignin, auf deren Verwertung der Magen-Darm-Trakt ausgelegt ist, und es unterstützt die Darmflora, die die eigentliche Zersetzung der Nährstoffe übernimmt. Antennenwelse, die ohne Wurzelholz gehalten werden, entwickeln regelmäßig schwere Verdauungsstörungen, kümmern im Wachstum und zeigen blasse Farben.
Man kann sie regelmäßig dabei beobachten: Ein Antennenwels, der auf einer Holzwurzel sitzt, raspelt aktiv an den Fasern. Nach ein bis zwei Jahren wirst du an der Wurzel deutliche Abnutzungsspuren sehen.
Platziere mindestens eine massive Holzwurzel pro Wels im Becken. Kein winziges Dekostück, sondern eine echte Wurzel, auf der das Tier liegen und arbeiten kann.
Geeignete Holzarten: Mopani, Moorkienwurzel / Spiderwood, Mangrovenholz, Manzanita, Moorholz, Cholla-Holz. Neues Holz vor dem Einsetzen gründlich wässern oder abkochen, damit es schneller absinkt und die stärksten Huminstoffe abgibt. Eine leichte Braunfärbung des Wassers durch Gerbstoffe (Tannine) ist völlig normal und unschädlich – Antennenwelse stammen aus Schwarzwasserflüssen und fühlen sich darin sehr wohl.
Ungeeignet: Kunstharz-Dekorationen, lackiertes Holz, Wurzeln aus dem Baumarkt ohne Aquarieneignung sowie Nadelhölzer oder chemisch behandeltes Holz.
Was man füttern sollte
Holz bildet das Fundament, ist aber keine vollwertige Mahlzeit. Eine artgerechte Ernährung besteht zu etwa 70–80 % aus pflanzlicher Kost, ergänzt durch geringe Mengen Protein.
Gemüse – das Hauptfutter. Kurz blanchieren und mit einem Futterspieß oder Stein am Boden fixieren:
| Gemüse | Hinweise |
|---|---|
| Zucchini | Der Standard. In Scheiben geschnitten, 30 Sekunden blanchiert. |
| Gurke | Wird gern genommen, hat aber einen geringeren Nährwert als Zucchini. |
| Süßkartoffel | Hervorragend, energiereich und sehr beliebt. |
| Butternusskürbis | Wird extrem gern gefressen. |
| Geschälte Erbsen | Gut für die Verdauung. |
| Spinat, Grünkohl | Gründlich blanchieren. |
| Karotte | Weich blanchieren – roh ist sie viel zu hart. |
Futterreste nach etwa 24 Stunden aus dem Becken entfernen, bevor sie das Wasser belasten.
Fertigfutter. Hochwertige Algentabletten (Wafers) und spirulinabasierte Bodentabletten bilden eine bequeme Grundversorgung. Achte auf die Zutatenliste: Viele billige Algentabletten bestehen hauptsächlich aus Fischmehl und Weizen. Auch Gelfutter (wie Repashy) wird hervorragend angenommen.
Protein in Maßen. Antennenwelse sind keine reinen Vegetarier. Ein- bis zweimal pro Woche etwas Frostfutter wie Rote Mückenlarven oder Artemia fördert die Kondition, besonders bei Zuchttieren. Übertreibe es aber nicht – zu viel Protein führt bei Pflanzenfressern schnell zu gefährlichen Magen-Darm-Blähungen (Bloat).
Wie und wann gefüttert wird
Nach dem Ausschalten des Lichts füttern. Antennenwelse sind nachtaktiv und werden tagsüber von fast allen anderen Beckenbewohnern beim Fressen überrannt. Wirf das Futter kurz vor oder nach dem Erlöschen der Beleuchtung ins Becken.
Täglich oder jeden zweiten Tag füttern. Die Idee, dass sie von „Futterresten" der anderen Fische satt werden, ist derselbe Trugschluss wie der Algen-Mythos.
Behalte den Bauch im Auge. Ein wohlgenährter Antennenwels zeigt von unten betrachtet einen sanft gerundeten Bauch. Ein eingefallener oder hohler Bauch ist das sicherste Zeichen für Verhungern – und die wichtigste Kontrollmöglichkeit, da die Tiere tagsüber meist regungslos in Verstecken verharren.
Der Mythos vom „Putzerfisch“, richtiggestellt
Antennenwelse fressen tatsächlich Algen – verlässlich und ihr ganzes Leben lang. Darin sind sie deutlich ausdauernder als ein Wabenschilderwels. Sie weiden Punktalgen und Kieselalgen von Scheiben und Einrichtungsgegenständen zuverlässig ab.
Was sie jedoch nicht tun:
- Pinselalgen oder die meisten Fadenalgen fressen. Was dagegen wirklich hilft, erfährst du unter Fadenalgen.
- Das Becken im Sinne einer Haushaltsreinigung sauber halten. Sie scheiden sehr viele Kotstränge aus – ein Antennenwels belastet den Filter deutlich mehr, als dass er ihn entlastet.
- Von dem leben, was sowieso da ist. Ein sauberes Aquarium enthält keine ausreichende Nahrung für einen Wels.
Ein Antennenwels ist ein faszinierender Aquarienbewohner, den man hält, weil man die Art schätzt – und der nebenbei etwas Algen raspelt. Er ist kein Ersatz für Wasserwechsel oder Filterpflege.
Anzeichen für falsche Fütterung
- Eingefallener Bauch – akute Unterernährung. Das wichtigste Warnsignal.
- Ständiges Scheibenraspeln am helllichten Tag – oft verzweifelte Nahrungssuche.
- Blasse Färbung, kein Wachstum – chronischer Nährstoffmangel.
- Aufgeblähter Bauch nach der Fütterung – zu viel Protein, zu wenig Rohfaser/Pflanzenkost.
- Unberührtes Wurzelholz nach einem Jahr – entweder ist die Holzart ungeeignet oder der Fisch ist krank.
Vor dem Kauf
- Kaufe die Holzwurzel direkt zusammen mit dem Fisch. Sie gehört zur Grundausstattung.
- Plane ein, zwei- bis dreimal wöchentlich nach dem Lichtausschalten Gemüse zu füttern.
- Kaufe Algentabletten, bei denen Algen/Spirulina weit oben in den Zutaten stehen.
- Prüfe wöchentlich die Bauchlinie deines Welses als Fütterungsindikator.
- Schaffe dir keinen Antennenwels an, um ein Algenproblem zu lösen – kaufe ihn, weil du Freude an dem Tier hast.










