Guppys richtig füttern: Futterarten, Menge und Fütterungsplan
Guppys sind Allesfresser mit hohem pflanzlichem Bedarf, den Flockenfutter allein selten deckt. Was gefüttert wird, wie viel, wie oft und warum Überfütterung krank macht.

Guppy-Futter und Ernährung
Guppys fressen buchstäblich alles, was ins Becken fällt – sofort, gierig und mit einer Begeisterung, als hätten sie seit Wochen keine Nahrung gesehen. Genau dieses Verhalten verleitet dazu, sie falsch zu füttern. Fast jedes Verdauungsproblem bei Guppys geht auf einen Halter zurück, der es zu gut gemeint hat.
Die beiden entscheidenden Faktoren sind Abwechslung und Futtermenge. Beides ist nicht kompliziert, aber der Standard-Ratschlag – „zweimal täglich eine Prise Flockenfutter" – scheitert an der Abwechslung und lässt die Menge völlig undefiniert.
Was sie in der Natur fressen
Wilde Guppys sind ständige Weidegänger. Magenuntersuchungen bei Wildpopulationen zeigen eine Ernährung, die überwiegend aus Algenaufwuchs, Kieselalgen und organischen Pflanzenresten (Detritus) besteht – ergänzt durch Mückenlarven, kleine Krebstiere und ins Wasser gefallene Insekten. Sie sind Allesfresser mit einem deutlichen Schwerpunkt auf pflanzlicher Nahrung, keine reinen Fleischfresser.
Das ist wichtig, weil herkömmliches „Haupt-Flockenfutter" meist ein proteinlastiges Produkt auf Fischmehlbasis ist. Wird ausschließlich solches Futter gereicht, entstehen die aufgeblähten Guppys mit Verstopfung und fädigem, weißem Kot, die man in jedem Aquaristikforum findet. Der Fisch ist nicht krank – er wird nur mit einer Nahrung gefüttert, für die sein Darm nicht gebaut ist.
Ein abwechslungsreicher Speiseplan
Betrachte die Fütterung als eine Kombination aus hochwertigem Grundfutter und gezielter Abwechslung, nicht als ein einzelnes Dosenfutter.
Hauptfutter (die meisten Mahlzeiten). Ein hochwertiges Flockenfutter oder feines Granulat, bei dem vollwertiges Fisch- oder Krillmehl unter den ersten zwei Zutaten steht – keine minderwertigen „pflanzlichen/tierischen Nebenerzeugnisse" oder Weizenmehl als Füllstoff. Spirulinaflocken sind für Guppys ein hervorragendes Hauptfutter, weil sie genau den pflanzlichen Anteil liefern, den der Verdauungstrakt benötigt.
Abwechslung (zwei- bis dreimal pro Woche). Ersetze eine Mahlzeit durch andere Futtersorten:
| Futter | Warum |
|---|---|
| Gefrorene oder lebende Daphnien (Wasserflöhe) | Leichte abführende Wirkung; das bewährte Mittel bei beginnenden Blähungen |
| Gefrorene Artemia-Nauplien | Hochwertiges Protein, passend für das Guppymaul, fördert intensive Farben |
| Blanchiertes Gemüse – Zucchini, geschälte Erbsen, Spinat | Ballaststoffe und Pflanzenkost; eine zerdrückte Erbse hilft zuverlässig bei Verstopfung |
| Mikrowürmer / Essigälchen | Lebendfutter, hervorragend zur Konditionierung von Weibchen und für Jungfische |
| Zerriebene Algentabletten | Günstige Quelle für pflanzlichen Aufwuchs |
Verzichte auf gefriergetrocknete Tubifex-Würfel an der Scheibe und füttere Rote Mückenlarven nur sehr sparsam als Leckerbissen – getrocknetes Futter quillt im Magen nach und führt bei Fischen dieser Größe schnell zu lebensgefährlichen Verstopfungen.
Guppys haben ein oberständiges Maul und fressen bevorzugt an der Wasseroberfläche. Futter, das zu schnell zu Boden sinkt, bleibt oft ungenutzt liegen und belastet das Wasser.
Wie viel und wie oft?
Zweimal täglich kleine Portionen, die jeweils innerhalb von dreißig Sekunden restlos aufgefressen sind. Das ist die wichtigste Grundregel.
Der Magen eines Guppys hat etwa die Größe seines Auges. Die Futtermenge, die diesem Volumen entspricht, wirkt winzig im Vergleich zu den Mengenangaben auf vielen Futterdosen – aber sie reicht völlig aus. Jedes Futterteilchen, das nach einer Minute noch im Wasser treibt oder am Boden liegt, war zu viel und verwandelt sich in Nitrat.
Ausgewachsene Tiere vertragen einen wöchentlichen Fastentag problemlos, was dem Darmsystem und der Wasserqualität spürbar guttut. Jungfische sind die Ausnahme: Wie unter Vermehrung und Aufzucht beschrieben, benötigen sie drei- bis fünfmal täglich kleinste Futtergaben.
Urlaub: Ein gesunder adulter Guppy übersteht eine Woche ohne Fütterung völlig unbeschadet. Verwende keine Ferienfutterblöcke. Sie lösen sich unkontrolliert auf, vergiften das Wasser und fordern weit mehr Fischleben als eine kurze Fastenzeit.
Überfütterung ist die eigentliche Gefahr
Überfütterung schadet auf zwei Wegen gleichzeitig – und der zweite ist der tödliche.
Die direkte Folge betrifft die Verdauung: Blähbauch, Verstopfung, schleimiger weißer Kot und in schweren Fällen Schwimmblasenprobleme, bei denen der Fisch nicht mehr stabil im Wasser steht. Meist hilft hier ein zweitägiges Fasten mit anschließender Gabe von Wasserflöhen oder einer geschälten Erbse.
Die indirekte Folge ist die Zerstörung der Wasserqualität. Nicht gefressenes Futter und vermehrte Ausscheidungen treiben Ammoniak und Nitrit rasant in die Höhe – besonders in kleineren Guppybecken. Viele Fälle von plötzlichem Guppysterben trotz „guter Wasserwerte" beruhen auf Werten, die erst Tage nach dem eigentlichen Giftstoffpeak gemessen wurden. Der Stickstoffkreislauf verzeiht keine übertriebene Fütterung.
Echte Krankheitssymptome, die nicht auf falsche Ernährung zurückgehen, findest du unter Krankheiten und Gesundheit bei Guppys. Gehe bei Problemen jedoch immer zuerst vom Futter aus – meist liegt hier die Ursache.
Farbenpracht und was sie wirklich beeinflusst
Carotinoide im Futter fördern rote, gelbe und orange Farbpigmente. Futter mit Spirulina, Krill oder Astaxanthin sorgt deshalb nach wenigen Wochen für sichtbar strahlendere Farben – das ist biologische Realität, kein Werbegag.
Was Futter jedoch nicht kann: Farben erzeugen, die genetisch nicht im Fisch angelegt sind. Das genetische Farblimit eines Zuchtstamms steht beim Kauf fest; das Futter entscheidet lediglich darüber, wie nah der Fisch diesem Potenzial kommt. Blasse Fische beim Händler sind meist nur gestresst und unterernährt – bei abwechslungsreicher Fütterung färben sie sich im Heimaquarium binnen eines Monats prächtig aus.
Vor dem Füttern
- Wähle ein spirulinabasiertes oder vielseitiges Qualitätsfutter statt billiger Universal-Flocken.
- Kaufe nur kleine Dosen, die in drei Monaten aufgebraucht sind – geöffnete Flocken verlieren rasch Vitamine.
- Lege dir eine Packung Frostfutter ins Eisfach: Wenn du nur eine Sorte kaufst, wähle Daphnien.
- Füttere zweimal täglich für maximal dreißig Sekunden – und halte dich daran.
- Bei aufgeblähten Bäuchen sofort zwei Tage fasten lassen, bevor du zu Medikamenten greifst.


















